Vorträge

Freitag

Dr. Katharina Hartmann

Sichere Geburt. Die Perspektive der Frauen

Befragt man Frauen, was sie sich für Schwangerschaft und Geburt wünschen, dann sagen sie: „Sicherheit“. Aber was bedeutet „Sicherheit“? Viele Frauen versprechen sich Sicherheit durch die hohe medizinische Versorgung in einer Level I Klinik, in der im Notfall auch ihr Kind optimal versorgt werden kann. Solche Kliniken gibt es aber nur wenige und Zentralisierung bedeutet für die Frauen zu häufig, dass sie an ihren Wohnorten nicht ausreichend versorgt sind. Sicherheit ist, wenn die Frau wohnortnah innerhalb der eigenen Community eine niederschwellige, dem Menschen zugewandte Versorgung erhält. Eine Versorgung, die pathologische Verläufe frühzeitig erkennt, im Notfall schnell und kompetent vor Ort ist und sie in Zweifelsfällen an Spezialisten verweisen kann. Sicherheit entsteht, wenn die Frau weiß: „Es ist immer jemand für mich und mein Kind da.“ Diese Primärversorgung muss garantiert sein, überall.

Wie kann die Versorgung gelingen - die politische Version

Prof. Dr. Egbert Herting

Perinatalmedizinische Versorgung in Flächenstaaten – von den Schweden lernen?

Die Diskussion um eine Regionalisierung und Zentralisierung der perinatalmedizinischen Versorgung ist sowohl in Fachkreisen als auch in der Politik, in der Bevölkerung sowie in den Medien aktueller denn je. Derzeit erfolgt die Entscheidung, Einrichtungen zu schließen, allerdings eher vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und aufgrund ökonomischer Vorgaben – konkret durchdachte regional gestufte Versorgungskonzepte und eine wirkliche Planung fehlen in den meisten Bundesländern. Wie stellt sich dabei ein Land wie Schweden mit einer Einwohnerzahl von knapp 10 Millionen Menschen und einer Nord-Süd Ausdehnung von etwa 1.600 Kilometern konkret auf? Wie schafft man es dort, mit nur gut 40 geburtshilflichen Einrichtungen und sechs Neonatologien der Höchstversorgungsstufe bzgl. der perinatalen Mortalität zur Spitze in Europa zu gehören?

Dr. Helmut Kleinwechter

Gestationsdiabetes mellitus

Gestationsdiabetes mellitus (GDM) wurde 2017 in Deutschland bei 5,9 % aller Schwangeren diagnostiziert. Die Prävalenz ist in den letzten 15 Jahren um das Fünffache gestiegen, bestimmte Risikogruppen sind gehäuft betroffen: Ältere und adipöse Frauen. Was bietet die aktualisierte S3-Leitlinie zum Gestationsdiabetes an wichtigen Aspekten zu diesem Thema? Dr. Helmut Kleinwechter fasst die Auswirkungen der mütterlichen Hyperglykämie auf den Fetus zusammen und wirft einen kritischen Blick auf die korrekte Diagnosestellung sowie die therapeutischen Möglichkeiten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der postpartalen Nachsorge der Mutter: Welche Untersuchungen sind in welchen Abständen erforderlich und mit welchen Maßnahmen kann eine Verschlechterung des Glukosestoffwechsels beeinflusst werden? Eine wichtige Frage, denn jede zweite Frau entwickelt innerhalb von zehn Jahren nach einer GDM-Schwangerschaft einen Typ-2-Diabetes mellitus.

Prof. Dr. Rainhild Schäfers

Die Vaginale Geburt am Termin

Nach wie vor ist in Deutschland im Vergleich zu vielen europäischen Ländern eine hohe Sectiorate zu verzeichnen. Studien geben Hinweise, dass die Ursachen für hohe Interventionsraten in der Geburtshilfe nicht immer bei der Frau, sondern auch im System der gesundheitlichen Versorgung zu begründet liegen. Hohe, nicht medizinisch indizierte Interventionsraten können möglicherwiese durch qualitativ hochwertige Leitlinien wie die derzeit entstehende S3 Leitlinie Vaginale Geburt am Termin gesenkt werden. Im Vortrag wird die Problematik der systemimmanenten Aspekte als Einflussfaktoren auf die Rate der vaginalen Geburt vorgestellt und über den aktuellen Stand der S3 Leitlinie berichtet.

Prof. Dr. Michael Abou-Dakn

Die Sectio caesarea

Samstag

Prof. Dr. Peter Kozlowski

Noninvasive Pränataldiagnostik - was ist neu?

Das Ersttrimester-Screening (ETS) hat sich innerhalb von 20 Jahren vom Screening auf Trisomien hin zu einem umfassenden Werkzeug zur frühzeitigen Erkennung von Risikoschwangerschaften entwickelt. Die frühe Organdiagnostik bei 12 bis 13 Wochen kann die Mehrzahl der schweren anatomischen Besonderheiten ausschließen. Biochemische Parameter und Doppleruntersuchungen unterstützen die Erkennung der Schwangeren mit erhöhtem Risiko für Praeeklampsie oder Plazentainsuffizienz. Viele Schwangere nutzen die Möglichkeit der Beratung und des genetischen Screenings und treffen ihre Entscheidung zwischen Verzicht, Screening-Test auf Trisomie (NIPT) oder diagnostischer Punktion anhand des ETS. Die Beratung darüber, für wen die Integration des NIPT in das Screening sinnvoll ist, stellt besondere Anforderungen an alle schwangerschaftsbegleitenden Berufe.

Prof. Dr. Jason Gardosi

Interprofessionelle Fallbesprechungen - voneinander lernen

Prof. Dr. Jason Gardosi

Screening auf Wachstumsretardierung. Eine individuelle Wachstumskurve für jede Schwangerschaft

Prof. Dr. Christiane Schwarz

Intrapartale Überwachung

Es ist und bleibt eine fachliche Herausforderung, das Befinden eines ungeborenen Kindes unter der Geburt verlässlich zu beurteilen. Um valide Aussagen über das Wohlergehen eines Fetus zu treffen, werden etliche technische Methoden eingesetzt. Dabei steht die Cardiotokographie (CTG) als flächendeckende Dauerüberwachung in deutschen Kreißsälen im Vordergrund. Was muss beachtet werden und welche Alternativen gibt es im Rahmen der intrapartalen Überwachung? In ihrem Vortrag erläutert Prof. Christiane Schwarz die aktuellen diagnostischen Möglichkeiten – nicht nur aus technischer Perspektive – und zeigt, dass keine dieser Methoden ohne genaue Kenntnisse der fetalen Physiologie und der exakten Einbeziehung der anamnestischen und der klinischen Situation funktionieren.

Prof. Dr. Mario Rüdiger

Anpassungsstörungen beim Neugeborenen

Mit der Geburt gehen komplexe Umstellungsprozesse einher, die dem Neugeborenen das Leben unter extra-uterinen Bedingungen ermöglichen. Während diese postnatale Anpassung glücklicherweise bei den meisten Neugeborenen relativ problemlos erfolgt, benötigen einige Neugeborene eine medizinische Unterstützung. Prof. Dr. Rüdiger geht in seinem Vortrag auf die physiologischen Abläufe der postnatalen Anpassung ein und blickt auf die Ursachen, die zu einer Störung der Umstellungsprozesse führen können. Vor dem Hintergrund seiner spezifischen wissenschaftlichen Expertise, die er als Mitautor bei der Erstellung der internationalen und europäischen Erstversorgungsleitlinien einbringt, zeigt er, wie im Fall einer Anpassungsstörung die Unterstützung evidenzbasiert erfolgen kann.

Patricia Gruber

Der Notfall aus der Sicht der Gebärenden

Ein Notfall ist für alle Beteiligten ein dramatisches Ereignis – auch dann, wenn er gut ausgeht. Während Hebammen, GeburtshelferInnen und NeonatologInnen erleichtert sind, dass der Notfall rechtzeitig erkannt und gut gemanagt wurde, Mutter und Kind physisch wohlauf sind, kann dieses Erlebnis die Mutter langfristig traumatisieren. Wie sieht ein Notfall aus der Sicht der Gebärenden oder auch des werdenden Vaters eigentlich aus? Wie fühlt sich eine Gebärende, wenn sie blutet, alle um sie herum hektisch werden, ihr Kreislauf zusammenbricht und niemand Zeit hat, um zu erklären, was gerade mit ihr passiert? Wie kann sie in so einer Situation das Vertrauen haben, dass alles gut wird? Anhand von Videosequenzen aus Notfalltrainings zeigt Patricia Gruber in ihrem Vortrag die Sicht der Gebärenden. Dieser Perspektivenwechsel ist ein Lehrstück – auch ohne viele Worte.

Prof. Dr. Christoph Härtel

Geburtsverletzungen beim Kind

Geburtsverletzungen des Neugeborenen sind seltene Ereignisse, die während des Geburtsvorgangs durch die Kräfte der Wehentätigkeit entstehen können. In seinem Vortrag erläutert Prof. Dr. Härtel die extra- und intrakraniellen Kopfverletzungen, Nervenlähmungen, Frakturen und Weichteiltraumata. Zudem diskutiert er die Möglichkeiten der Prävention, Diagnostik und Therapie. Gerne können im Vorfeld Fragen und Wünsche bzw. interessante Fälle an Prof. Dr. Härtel adressiert werden, die er aufgreifen wird und im Auditorium bespricht.

Peggy Seehafer

Wundheilung und Sekundärnaht im frühen Wochenbett

Als Grundsatz gilt: Gut adaptierte Geburtsverletzungen heilen innerhalb weniger Tage ab, denn die immunologischen Bedingungen nach einer Geburt sind heilungsfördernd wie zu keiner anderen Zeit im Leben. Treten dennoch Heilungsprobleme auf, sind diese neben gewebebedingten Problemen häufig strukturell bedingt: durch falsch verwendetes Nahtmaterial, falsch gewählte Nahttechnik, mangelnde Ausbildung bis hin zur Traumatisierung aufgrund einer unzureichenden Analgesie. Die meisten offenen Nähte werden an den Labien und im Bereich der Episiotomien beobachtet. Sphincterverletzungen sind mit 10 Prozent Dehiszenzen am anfälligsten und gehen mit der größtmöglichen Beeinträchtigung für den Rest des Lebens einher. Verheilt eine Naht nicht oder ist eine Geburtsverletzung anatomisch nicht korrekt vernäht, sollte den Frauen eine frühe Sekundärnaht innerhalb der ersten zwei Wochen postpartum angeboten werden.

Prof. Dr. Achim Rody

Langzeitfolgen Beckenboden

Eingriffe, wie die Durchführung eines elektiven Kaiserschnittes zur primären Prävention von Beckenbodendysfunktionen, werden seit langem diskutiert. Da die Datenlage hinsichtlich prädisponierender Faktoren für das Auftreten von Beckenbodenverletzungen unter der Geburt limitiert sind, fällt es schwer, präventive Faktoren und möglicherweise Maßnahmen unter der Geburt eindeutig zu benennen. Zahlreiche epidemiologische Untersuchungen lassen jedoch den Schluss zu, dass mittels spezifischer Maßnahmen das Auftreten einer postpartalen Beckenbodendysfunktion vermieden werden kann. Allerdings fehlen bislang prospektive Studien mit entsprechenden Langzeitbeobachtungen zu diesen Fragestellungen. In seinem Vortrag zeigt Prof. Dr. Rody anatomische, pathophysiologische und präventive Aspekte auf, die hinsichtlich einer Beckenbodendysfunktion und entsprechenden Langzeiteffekten von Bedeutung sind.