Vorträge

Freitag

Prof. Dr. Rainhild Schäfers

Die vaginale Geburt am Termin

Nun ist sie da, die lang ersehnte S3 Leitlinie „Die vaginale Geburt am Termin“. Erstmalig wurde mit ihr eine Leitlinie auf höchstem Qualitätsniveau von Hebammen und ÄrztInnen initiiert, koordiniert und mit der Bundeselterninitiative Mother Hood gemeinsam entwickelt. Die Leitlinie ist das Ergebnis verfügbarer Studienergebnisse, fachlicher Expertise und eines langen Konsensprozesses. Es wurden u.a. Empfehlungen zum Monitoring sowie zur Betreuung während und nach der Geburt formuliert. In ihrem Vortrag stellt Prof. Dr. Rainhild Schäfers die wesentlichen Empfehlungen der S3-Leitlinie und deren Hintergründe vor.

Prof. Dr. Sven Kehl

Geburtseinleitung

Die Geburtseinleitung gehört zu den häufigsten Maßnahmen im geburtshilflichen Alltag und wird bei etwa 20–25 % aller Schwangerschaften durchgeführt. Die Indikationen einer Geburtseinleitung nahmen in den letzten Jahren zu. Auch wenn die Evidenz aufgrund einer Vielzahl guter Studien zur Geburtseinleitung hoch ist, gab es bis zur Veröffentlichung der S2k-Leitlinie 015-080 keine deutsche Leitlinie. Lediglich in bestimmten Teilbereichen wie der Anwendung von Prostaglandinen lagen Empfehlungen vor. Spätestens seit der Debatte über Misoprostol zur Geburtseinleitung Anfang letzten Jahres wurde bewusst, wie notwendig einheitliche Empfehlungen zu diesem wichtigen Thema sind. Die Empfehlungen und Statements zur Indikation zur Geburtseinleitung, den Vorbedingungen, den verschiedenen Methoden, zu besonderen Situationen und zur Problematik bei vorherigem Kaiserschnitt stellen somit eine wichtige Orientierung im geburtshilflichen Alltag dar.

Prof. Dr. Sven Schiermeier

Fetale Überwachung

Die fetale Überwachung in der Schwangerschaft ist von einer hohen ethischen und forensischen Bedeutung in Deutschland. In seinem Vortrag gibt Prof. Dr. Sven Schiermeier eine Übersicht über die aktuelle klinische Studienlage, die Einordnung der Evidenz in dieser Fragstellung und einen Ausblick über die internationale Studienlage. Insbesondere soll die Entwicklung der perinatalen Mortalität und Morbidität vor dem Hintergrund der fetalen Überwachung betrachtet und diskutiert werden. Altbekannte Verfahren wie die intermittierende Auskultation sollen dabei genauso erörtert werden wie innovative Entwicklungen, die der Schwangeren eine maximale Freiheit während der Überwachung garantieren.

Dr. Verena Boßung

Management von Dammrissen III. und IV. Grades nach vaginaler Geburt

Dammrisse III. und IV. Grades unter Beteiligung des Analsphinkters werden im englischsprachigen Raum auch als OASIS bezeichnet (Obstetric anal sphincter injury). Sie betreffen mindestens 6 % aller Geburten und können zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität betroffener Frauen beitragen. OASIS gehen mit einem erhöhten Risiko für anale Inkontinenz, Schmerzen im Dammbereich sowie Dyspareunie einher. Die Kenntnis von Risikofaktoren, die korrekte Diagnosestellung und Versorgung höhergradiger Dammrisse sowie die adäquate Nachsorge und Beratung sind von großer Bedeutung in der peripartalen Betreuung von Frauen mit OASIS. In ihrem Vortrag gibt Dr. Verena Boßung einen Überblick über die aktuellen Empfehlungen zum Management von Dammrissen III. und IV. Grades unter besonderer Berücksichtigung aktueller internationaler Studien.

PD Dr. Guido Stichtenoth

Betreuung des gesunden reifen Neugeborenen in der Geburtsklinik

Während die Geburtenrate in Deutschland eher steigt, ist die Anzahl der Geburtskliniken in den letzten 30 Jahren deutlich um etwa 40 % zurückgegangen. Zur Versorgung der Transition Neugeborener von der Geburt bis zur Entlassung in die Familie bedarf es guter Standards. Im Idealfall basieren diese auf wissenschaftlicher Evidenz, zumindest aber auf einem Expertenkonsens und werden von unterschiedlichsten Berufsgruppen bereitgestellt. 2018 ist die bisherige AWMF Leitlinie 024/005 abgelaufen und wurde seitdem von Vertretern interprofessioneller Fachgesellschaften, federführend der Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin, überarbeitet. Der LiP ist eine ideale Plattform zur Vorstellung der im Delphi-Verfahren herausgearbeiteten konsensbasierten neuen Leitlinie.

Dr. Barbara Hoffmann

Lernzielkatalog: Patientensicherheit

Patientensicherheit entsteht nicht von selbst – sie kann und muss gelernt sowie kontinuierlich weiterentwickelt werden. Die in der Gesundheitsversorgung Tätigen müssen daher lernen, was sie selbst und die Organisationen, in denen sie arbeiten, zu einer sicheren Versorgung beitragen können. Das Aktionsbündnis Patientensicherheit e. V. hat einen Katalog von Lernzielen erstellt, der die Kompetenzen aller in der Gesundheitsversorgung Tätigen beschreibt – ob sie in der Geburtshilfe oder im pflegerischen, ärztlichen, pharmazeutischen oder einem ähnlichen Bereich tätig sind. In ihrem Vortrag gibt Dr. Barbara Hoffmann einen Überblick über den Katalog und stellt die für die interprofessionelle Zusammenarbeit besonders wichtigen Kompetenzbereiche im Detail vor.

Prof. Dr. Jürgen Westermann

Gemeinsam lernen! Interprofessioneller Präparierkurs

Mit den Studiengängen Ergotherapie/Logopädie, Hebammenwissenschaft, Pflege, Physiotherapie, Gesundheits- und Versorgungswissenschaften und Humanmedizin besteht an der Universität zu Lübeck ein deutschlandweit einmaliges Angebot einer Vielzahl von Studiengängen der Gesundheitsberufe unter einem Dach. Der Präparierkurs ist ein Beispiel der interprofessionellen Lehre: Die Studierenden der Hebammenwissenschaft und Humanmedizin lernen nicht nur nebeneinander, sondern in der direkten Interaktion voneinander und miteinander. Sie profitieren gegenseitig von ihrem Vorwissen und können so fachspezifische Denk- und Handlungsmuster abgleichen. Über die reine Vermittlung anatomischer Fähigkeiten hinaus trainieren sie auf diese Weise die Arbeit im Team sowie das Sozialverhalten und schulen die gemeinsame Entscheidungsfindung und das wissenschaftliche Denken. Eine frühestmögliche Vorbereitung auf die spätere Arbeit in der kooperativen Versorgung!

Vortrag in Planung

Vortragsbeschreibung folgt.

Samstag

Vortrag in Planung

Vortragsbeschreibung folgt.

Prof. Dr. Christoph Härtel

Gruppe-B-Streptokokkeninfektionen – Prävention, Diagnostik und Therapie

Group B Streptococcus (GBS) ist weltweit der häufigste Erreger von schwerwiegenden Neugeboreneninfektionen, wie z.B. Sepsis und Meningitis, die mit einem hohen Risiko für Sterblichkeit und Langzeitbeeinträchtigungen vergesellschaftet sind. GBS Sepsis unterteilt sich in Early-Onset Sepsis (EOS, in den ersten drei Lebenstagen) und Late-Onset Sepsis (LOS, vom 4.–90. Lebenstag). Viele Länder haben durch die Einführung einer intrapartum Ampicillin-Prophylaxe (IAP) bei GBS-besiedelten Schwangeren einen Rückgang der EOS nachweisen können, während die IAP auf die LOS-Inzidenz keinen Einfluss hat. Prof. Dr. Christoph Härtel fasst in seinem Vortrag die Grundlagen zum Risikoprofil sowie zur Prävention, Diagnostik und Therapie von frühen und späten Gruppe-B-Streptokokkeninfektionen zusammen und erläutert aktuelle Empfehlungen.

Prof. Dr. Ulrich Pecks

Corona in der Schwangerschaft - was gilt es zu wissen?

Die SARS-CoV-2 Virusinfektion wurde im März 2020 durch die WHO zur Pandemie erklärt. Erkenntnisse aus ähnlichen Szenarien, wie SARS-CoV und MERS-CoV aber auch Influenza-Pandemien ließen schwere Auswirkungen insbesondere durch schwere Virus-Pneumonien für die Mutter erwarten. Beunruhigend war zudem die Unsicherheit in Bezug auf das Ungeborene. Seit April 2020 sammelte das Forschungs-Netzwerk der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin im Rahmen der „COVID-19-related Obstetric and Neonatal Outcome Study“ (CRONOS) Daten zu betroffenen Schwangeren. 2021 blicken wir auf eine in dieser Art nie in der Deutschen Geburtshilfe dagewesenen Zusammenarbeit von Kliniken zurück mit tiefgreifenden Daten zu Mutter und Kind. PD Dr. Ulrich Pecks fasst in seinem Vortrag die Handlungsempfehlungen zusammen, die sich aus den gemeinsamen Erkenntnissen ableiten lassen.

Jennifer Walker

Spinning Babies® – Förderung der physiologischen Geburt

Jennifer Walker stellt mit Spinning Babies® einen systematischen geburtshilflichen Ansatz vor, der zwischen geduldigem Abwarten und dem Forcieren der Geburt durch medizinische Interventionen liegt. Der Blick auf die Details im Zusammenspiel zwischen der Anatomie der Mutter, der Haltung, Lage und Einstellung des Kindes sowie der Geburtskräfte eröffnet zahlreiche und individualisierbare Möglichkeiten, das Gebären gut vorzubereiten und unter aktiver Beteiligung der Frau (und ggf. auch ihrer Begleitperson) gezielt in physiologische Bahnen zu lenken – auch bei bereits pathologischen Verläufen und bevor größere Interventionen zum Einsatz kommen. In ihrem Vortrag stellt Jennifer Walker diesen Ansatz anhand von Fallbeispielen vor und bietet Einblicke in die Praxis

Dr. Nina Kimmich

Qualitätssicherung in der Geburtshilfe: Videoaufnahmen, Debriefing und Dokumentation

Eine detaillierte Dokumentation in der Geburtshilfe gewinnt aus Gründen der Qualitätssicherung und -verbesserung sowie aus medizinrechtlicher Sicht zunehmend an Bedeutung. Die Videodokumentation einer Geburt und der durchgeführten Maßnahmen, wie z.B. des Dammschutzes, der Ausführung einer Episiotomie oder einer vaginaloperativen Entbindung, ermöglicht eine interdisziplinäre Nachbesprechung. So kann das Team auf der Grundlage des Videos das Vorgehen diskutieren und ggf. Maßnahmen zur Verbesserung des geburtshilflichen Managements vereinbaren. Dr. Nina Kimmich zeigt in ihrem Vortrag anhand konkreter Beispiele, wie eine Qualitätssicherung gelingen kann und stellt weitere Möglichkeiten vor, wie geburtshilfliche Prozesse (Geburtsverletzungen, vaginal-operative Geburten, Geburtsnachbesprechungen, etc.) im Sinne des Teams, aber auch der Frauen dokumentiert werden können.

Dr. Sebastian Almer | Patricia Gruber

„Wie hätten Sie entschieden?“ – Forensik in der Geburtshilfe

Rechtliche Auseinandersetzungen im Bereich der Geburtshilfe dauern gewöhnlich einige Jahre und erfordern von den beteiligten Hebammen und Ärzten ‚mentale Kondition‘. Alles dreht sich um die Frage, ob die geburtshilfliche Situation, über die nun vor Gericht gestritten wird, von ihnen damals richtig beurteilt und richtig gehandelt wurde. Entscheidungen, die im Kreißsaal binnen Minuten getroffen werden mussten, werden im Rahmen von rechtlichen Auseinandersetzungen durch Begutachtungen hinterfragt, für deren Erstellung der Sachverständige alle Zeit der Welt hatte. In dem Vortrag schildern der Rechtsanwalt Dr. Sebastian Almer und die Hebamme und Gutachterin Patricia Gruber anhand eines konkreten Falles den Gang einer rechtlichen Auseinandersetzung und richten dabei an ihr Publikum immer wieder die Frage: „Wie würden Sie entscheiden?“

Ellen Radtke

Anders Eltern. Reflexion einer Mutter

Anders Eltern zu sein, ist keine Beschreibung, die sich Eltern selber geben. Vielmehr geschieht dies durch unterschiedliche Prozesse, die als „Othering“ zusammengefasst werden können. Gerade in Bezug auf die Sprache geschieht dies auch durch das medizinische Personal, wenn (werdende) Eltern als ‚besonders‘ oder ‚selten‘ beschrieben werden. Dieses Othering geschieht auf unterschiedlichste und nur selten auf beabsichtigte Weise. Dennoch stört es den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung und bedient oftmals nur die voyeuristischen Interessen der sich selbst als ‚normal‘ betrachtenden Personen. Ellen Radtke beschreibt in ihrem Vortrag, wie der Umgang mit Eltern diverser Konstellationen aber auch aussehen kann.

Andrea Hartmann

Darf’s ein bisschen mehr sein? Vielfalt im professionellen Kontext

Menschen sind auf vielfältige Weise wunderbar. In dieser Diversität werden sie von uns im Rahmen von Schwangerschaft, Geburt und ihrem Leben mit Kindern begleitet. Allerdings können auch wir uns einer Identifizierung und Kategorisierung von Geschlecht und sexueller Identität nicht entziehen, da sie kein Akt reflektierender Auseinandersetzung sind, sondern vielmehr ein präreflexives Geschehen. Vorherrschende gesellschaftliche Denk- und Wahrnehmungsgewohnheiten lassen die Frage nach dem möglicherweise Ungekannten erst gar nicht aufkommen. Damit ist der Blick auf unser Gegenüber und seine Lebenswirklichkeit nur allzu oft verstellt. Um dieser angemessen zu begegnen, brauchen wir dekonstruktive Perspektiven. Nur so können vermeintliche Gewissheiten erfolgreich irritiert werden und zu einem Verstandensein beitragen. Um dem Selbstverständnis der_des* Anderen im geburtshilflichen Kontext gerecht zu werden, geht Andrea Hartmann in ihrem Vortrag der Frage nach, wie es gelingen kann, auf menschliche Weise professionell zu sein

Prof. Dr. Olaf Hiort

Varianten der Geschlechtsentwicklung

Varianten oder Störungen der Geschlechtsentwicklung („differences [disorders] of sex development“, DSD) beim Menschen haben in den letzten Jahren eine sehr große Beachtung sowohl in der Medizin als auch in der Gesellschaft gefunden. Im Kreißsaal stellt die unerwartete Geburt eines Kindes mit intergeschlechtlichem Genitale eine besondere Herausforderung dar, da zum einen eine zielführende Diagnostik veranlasst werden muss, andererseits der Umgang mit den Eltern nicht deterministisch erfolgen soll. Ziel ist es, eine positive Einstellung der Eltern zu ihrem Kind zu festigen. Hebammen und Geburtshelfer sollten die häufigsten Ursachen eines intergeschlechtlichen Genitales kennen und von Anfang an den Fokus auf die positiven Aspekte des Neugeborenen lenken. Eine Einbeziehung psychologischer Unterstützung sollte gemäß Leitlinie frühzeitig erfolgen. Im Verlauf des Lebens verändern sich die Anforderungen an das Management des Menschen mit DSD. In Deutschland fördert das Bundesministerium für Gesundheit zurzeit eine großangelegte Maßnahme zur standardisierten Versorgung von DSD in definierten Zentren über die Lebensspanne. (DSDCare). Die Ergebnisse sollen dann die Versorgungslandschaft in Deutschland mitgestalten und verbessern.

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